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    Derby-Meeting Tag 3: Die Nachschau

    Peter Platzer räumt ab: Der Sportler holt sich beide Vorläufe und das Finale der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure – Very Special One ein echter Spezi – Bruno-Cassirer-Rennen: Kommt Rilana geflogen… – Prosperous für 10:10 im Derby-Marathon – Wolfgang Nimczyk bei den Oldies.

    (MW).  Fest in bayerischer, ja in Peter Platzerscher Hand war wie erwartet die 1997 ins Leben gerufene Internationale Derby-Meisterschaft der Amateure, die nach dem Motto „Derby-Meeting für Alle“ das Highlight der Hobbyfahrer und mit 25.000 Euro im Finale das höchst dotierte Amateurfahren der Republik ist. Dem 54jährigen, der sich nach zahlreichen Vorlaufsiegen mit RC Gallent Image 2016 erstmals mit Diamond Select in der Ehrenliste hatte verewigen können, gelang mit Karrieresieg Nummer 103 zum zweiten Mal der ganz große Wurf. Sein von Mike Lenders gezüchteter Very Special One machte seinem Namen alle Ehre und präsentierte sich sehr speziell: Stramm durch die Todesspur markierte der Hengst trotz 20 Meter Zulage mit blanken 1:14 einen neuen Rennrekord und schaffte beim 26. Versuch seinen 20. Sieg, mit dem sein Konto nun bei 40.825 Euro angelangt ist.

    „Das lief etwas anders als geplant, aber so ist das nun mal im Rennen. Nach dem blendenden Start war ich früh vorn dabei, hatte aber den Eindruck, dass Christoph Pellander und Idony mir die Führung nicht ohne weiteres schenken würden, als ich eine Runde vor Schluss zart testete. Aber Very Special ist nicht nur total unkompliziert, sondern körperlich und mental bärenstark. So ließ ich es auf die letzten 400 Meter ankommen, was ja auch gut geklappt hat“, resümierte Platzer, der mit Very Special One im Vorjahr als 10:10-Favorit nur Dritter geworden war. Eine kleine Scharte in der beeindruckenden Bilanz, die der Sechsjährige resolut ausbügelte. Teuer zu stehen kam Idony der Aufstand gegen den Favoriten: Auf der Zielgeraden schwanden die Kräfte der Stute rapide. L’Amicus und Golden Future machten mit viel Speed die bayerische Dreierwette perfekt, und auch die für niederländische Interessen engagierte gebürtige Lasbekerin Nahema flutschte auf den letzten Metern vorbei.

    Tabula rasa hatte Platzer bereits in den Eliminationen gemacht und der Konkurrenz gezeigt, wie hoch die Trauben hängen. Im 1. Vorlauf lieferte er ein taktisches Sahnestückchen ab, verpasste seinem Zuccero ein Maßrennen in der äußeren Spur und ließ ihn aus der Deckung genau so weit von der Leine, dass ein ganz leichter Eine-Länge-Sieg heraussprang. Dem ebenfalls von Lenders gezüchteten Fünfjährigen blieben reichlich Reserven fürs Finale, aus dem das „Sensibelchen“ (Platzer) wegen leichter gesundheitlicher Probleme gestrichen wurde. Wie versprochen Start-Ziel nach Hause fuhr der Mann des Abends hingegen Vorlauf 2 mit Zucceros ein Jahr älterem Bruder Very Special One. Unterwegs nie ernsthaft angegriffen, machte sich der sechsjährige Main-Wise-As-Sohn ganz leicht frei und ließ, wie 2½ Stunden später vorgeführt, reichlich Körner im Tank. Zwei Brüder als Vorlaufsieger dieser Prüfung - das hatte es noch nie gegeben.

    Für die Vorlaufschlappe holten sich die Titelverteidiger Andre Pögel und Yen Trost im kleinen Finale. Im letzten Rennen der Veranstaltung jagten sie kurz nach Halbzeit Ibracadabra „hokuspokus“ vom Regiepult und standen den finalen Umsturzversuch Gian Luca Pasels ganz leicht aus.

    Rilanas Riesenslalom

    Mangels Bewerberinnen wurde das mit 20.000 Euro überschriebene Bruno-Cassirer-Rennen, mit dem seit langem Mariendorfs erstem Retter (1913) und langjährigem Präsidenten (bis 1933) gedacht wird, in einem Lauf zwischen zwölf vier- und fünfjährigen Stuten entschieden, von denen die vier reicheren 20 Meter Zulage aufzuarbeiten hatten und dabei entgegen den Prognosen vieler Experten klaren Schiffbruch erlitten. Was nach 600 Metern nach einem ausgemachten Ding der beiden Nimczyk-Traber Jenna Transs R, mit der Robbin Bot nach 400 Metern die Führung von Lady Lucie an sich gerissen hatte, und Stand up aussah, wurde im Einlauf auf den Kopf gestellt. Für die am Start gesprungene Rilana, die bis zu den Pferden aus dem zweiten Band zurückgefallen war, öffneten sich im Einlauf alle inneren Türen, und zwischen den beiden Nimczyk-Stuten war gerade so viel Platz, dass der „Haller Rudi“ mit ihr wie ein Geschoss durchflog und den konsternierten Goldhelm aus den Sieg- sowie die Mehrzahl der Wetter aus ihren Geldträumen riss. Bei 347:10 hatten nur die Wenigsten die Love-You-Tochter auf den diversen Scheinen. „So ein Glück hast du nicht jeden Tag, dass sich alles optimal zu deinen Gunsten wendet. Ich bin von ihrer Explosivität selbst überrascht und hab mich im Schlussbogen schon gewundert, weil ich noch viel in Händen hatte, während meine Nebenleute die Finish-Register ziehen mussten. Ein Trostpflaster, weil ich Orlando Jet nicht mitbringen konnte, der sich auf der Koppel eine kleine Verletzung zugezogen hat, die genäht werden musste“, war Hallers Statement, der auch für die Platzer-Armada verantwortlich zeichnet. Hinter den beiden Damen des Trainerchampions holte sich Lady Lucie Platz vier vor Favoritin Africa Bi, die neben dem Titel „Beste aus dem zweiten Band“ 1.000 Euro mitnahm.

    Einen echten Hit lieferten die Oldies mit ihrem Derby-Pokal - jene Fahrer, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Erstmals war Heinz Wewering bei diesem Rennen dabei, doch konnte der mit 16.916 Erfolgen siegreichste Trabrennfahrer Europas keinen Akzent setzen. Den hatte dafür umso mehr die wie immer enorm kampfstarke Prigana parat, mit der Wolfgang Nimczyk nicht nur Tempomacher Lewandowski zerlegte, sondern in einem rassigen Finish Graf Bismarck mit Berlins Ex-Europameister Manfred Zwiener eisern widerstand.

    Verhältnismäßig leichtes Spiel hatte Michael Nimczyk mit dem sofort nach vorn beorderten Hooper des Chasses erst, als sein einstiger Trainingsgefährte Bajaro BR im Bemühen, den Spieß umzudrehen, 100 Meter vorm Ziel aus dem Rhythmus geriet. Das nächste Hölzchen - das sechste im Meeting - legte der Goldhelm mit Kathy Scott an, die wie der Wind nach vorn schoss, den ihr zuletzt überlegenen Captain Olaf locker abwimmelte und auch dem direkt hinter ihr liegenden Power Snatch sehr gründlich den Kampfzahn zog.

    Im 1. Vorlauf des Handicap de Luxe war I’ll be there rechtzeitig aus dem zweiten Paar außen da, um dem sofort in Front gedüsten, am Ende nicht mehr ganz so schnellen Windhund, der auch noch von Head over Heels erwischt wurde, eins überzubraten und sich mit Rob de Vlieger fürs Finale am Derby-Samstag nachdrücklich zu empfehlen. In Vorlauf 2 legte Donna Leone H mit einem wahren Kraftakt endlich den Makel der heurigen Sieglosigkeit ab; neunmal war der Timoko-Sohn mit dem „Mädchenamen“ 2020 angetreten, aber über vier zweite und drei dritte Plätze nicht hinausgekommen. Nach 600 Metern auf den Todessitz beordert, knackte der Wallach den umgehend in Front gestürmten Ijsvink in souveräner Manier und hofft nun auf die große Final-Kasse.

    Neben I’ll be there war es Henk Grifts Prosperous vorbehalten, die sonst während der Meetings so stolz wehende Fahne der Oranjes nicht ganz auf Halbmast sinken zu lassen. Ohne den verletzten Orlando Jet hatte der in Schweden geborene Wallach im Derby-Marathon-Pokal über die 1978 letztmals geforderte Derby-Strecke von 3200 Metern gar keinen Gegner mehr. Jaap van Rijn brachte den Rappen, der solche Distanzen aus seinem Heimatland und Frankreich zur Genüge kennt, am schwungvollsten aus dem letzten Band, knöpfte dem vor General Lee führenden Out of the Slums zwei Runden vor Schluss das Kommando ab und hatte damit den Sieg de facto in der Tasche. In dem lange ereignislosen Gänsemarschrennen zog der Prodigious-Sohn auf der Zielgeraden ebenso überlegen davon, wie Out of the Slums seinen ständigen Schatten General Lee um „Silber“ abspeiste. Der „Elfmeter ohne Torwart Orlando Jet“ war am Totalisator nur 10:10, dafür aber zahlreiche Anrechtscheine für die große Prämienausspielung wert.

    Richtig zu tun hatten die Amateure auch im Rahmenprogramm. Trainer Marcel Hauber sowie Besitzer und Züchter Peter Sieburg bewiesen ein feines Näschen mit der Verpflichtung Piet van Pollaerts, der den Renntag eröffnete, wie es sich für einen amtierenden Weltmeister gehört:  Mit dem nicht übermäßig formstarken Powerful PS übernahm er nach 700 Metern das Zepter und hatte eine Runde später noch immer die meisten Pferdestärken in der Hand. Eine Klasse für sich war in der „Frei für Alle“-Kategorie der von Thomas Maaßen von der „8“ mit immenser Wucht an die Spitze gescheuchte Mister Ed Heldia. Einmal vorn, forderte den Dunkelbraunen kaum jemand heraus, zumal New Dawn am Start ausgefallen, Muscle Boy AS und Apache Jeloca in einer gefährlichen Situation im ersten Bogen aneinandergeraten und zu Totalausfällen geworden waren und Geheimfavorit Louie Brodde sich in dritter Schlussbogenspur verausgabte. Auf der Zielgeraden machte sich der Hengst überlegen zum zwölften Erfolg vor Außenseiter For Ever frei, der durchweg seinen Windschatten genossen hatte.

    Wie stets gilt der letzte Blick den Totokassen: Bei 13 Rennen hatten sie in Summe rund 21.000 Euro weniger zu verarbeiten als 2019 bei zwölf Rennen; war der Außenumsatz nahezu auf Vorjahrsniveau, ging das Minus auf das, was vor Ort gedreht wurde.

    Umsatz bei 13 Rennen: 309.804,97 Euro (incl. 184.157,14 Euro Außenumsatz)