Nach der Silbermedaille gleich der nächste große Coup
Die Vizeweltmeisterin Emma Stolle gewinnt die Mariendorfer Amateur-Trophy. Auch Thomas Maaßen und Sebastian Gläser steigen als Zweit- und Drittplatzierte auf das Podium.
Passend zur Namensgebung des am Sonntag ausgetragenen Herbst-Pokal des VDT wurde die Veranstaltung tatsächlich von recht kühlem und feuchtem Wetter begleitet – der lang anhaltende Spätsommer hatte also zumindest in der Hauptstadt definitiv sein Ende erreicht. Die gute Stimmung auf der Derby-Bahn wurde dadurch aber kaum beeinflusst – stand doch mit der Mariendorfer Amateur-Trophy ein regelrechtes Großereignis auf dem Programm. Trotz normaler Dotationen war der Zuspruch seitens der Aktiven nämlich derartig phänomenal, dass sechs Wertungsläufe stattfinden konnten. Der erste von ihnen wurde zur Erfolgsbühne der frischgebackenen Vizeweltmeisterin Emma Stolle, die Marc Chagall in 17,1/1.900m mit offensiver Taktik zum Erfolg steuerte. Der dreijährige Hengst duldete nur kurzzeitig Raja Heuvelland (Sebastian Gläser) an der Spitze und ging noch im ersten Bogen nach vorne. Während sich Marc Chagall im Einlauf mit zwei Längen Vorsprung souverän verabschiedete, zog Prosecco Transs R (Janis Grundhöfer) für den Ehrenrang noch mit viel Speed an Raja Heuvelland vorbei.
Der zweite Lauf ging in 18,0/1.900m an Thomas Maaßen und Midnight Sky. Der mehrmalige bundesdeutsche Amateurchampion musste allerdings sämtliche Register ziehen, denn am Ende wurde es gegen die 33,2-Riesenaußenseiterin Kijev (Emma Stolle) mit wenigen Zentimetern Vorsprung hauchdünn. Das lag vor allem am Rennverlauf. Denn während der vorsichtig vom Start gebrachte Midnight Sky von der 8 aus erst viel Boden gutmachen und im Anschluss durch die Todesspur marschieren musste, profitierte Kijev von einem geschonten Rennen an der Innenkante und spurtete stark. Nachdem Emma Stolle dann im dritten Lauf bei ihrer ersten Fahrt mit dem 1,0-Ultrafavoriten Peak of Moni auf Anhieb ganz vorne landete, deutete sich bereits zu Halbzeit der Amateur-Trophy an, dass die Amazone in der Gesamtwertung wohl kaum zu stoppen sei. Der hochtalentierte Wallach siegte in 16,7/1.900m Start-Ziel mit zweieinhalb Längen Vorsprung vor Whitney (Katharina Kramer).
Doch Thomas Maaßen machte es noch einmal spannend und konterte im direkten Anschluss mit Eagle Spav, der für den zweiten Tagestreffer seines Fahrers sorgte. Der Wallach zeigte zweifellos eine der besten Leistungen seiner Rennlaufbahn, denn obwohl er auf der ersten halben Runde für die Führungsübernahme einiges tun musste, zog er in 15,6/1900m mit drei Längen Vorsprung auf Maharani GB (Sarah Kube) eisern durch. In der internationalen Klasse hatte Thomas Maaßen dagegen mit Sangria Pellini ebenso wenig wie Emma Stolle mit Ideal de Chahains etwas in der Hand. Stattdessen bestimmte auf der Schlusshalben zunächst Sir Robert (Sarah Kube) das Geschehen, wurde auf der Zielgeraden aber sowohl von Komino Blue Lagoon (Sebastian Gläser) als auch von L.A.Boko (Anna-Lisa Kunze) überlaufen. In 1532/2.020m waren die beiden Kontrahenten selbst vom Zielrichter nicht zu trennen, der daher auf totes Rennen entschied.
Auch im sechsten und abschließenden Wertungslauf konnten sich Emma Stolle und Thomas Maaßen aufgrund von Galoppaden ihrer Pferde nicht einschalten. Dafür gab es allerdings einen Sieger, der aus dem Strahlen überhaupt nicht mehr herauskam. Denn Florian Jahn trumpfte beim ersten Erfolg seiner Fahrerkarriere mit Otylia Beuckenswijk ganz groß auf. Die Stute war sofort im Vordertreffen zu finden und wurde am Toto zur 6,6-fachen Quote einmal mehr unter Wert gehandelt – obwohl sie auf einen frischen Karlshorster Treffer verweisen konnte. Mit ihren Gegnern machte die Braune, die schon weit vor dem Ziel in der Außenspur auf Siegkurs war, kurzen Prozess und verabschiedete sich im Einlauf überlegen von ihren Gegnern. Auf das Endergebnis der Amateur-Trophy hatte dies allerdings kaum noch Einfluss. Da die jeweils besten drei Fahrten der Teilnehmer gewertet wurden, setzte sich Emma Stolle mit ihren zwei Siegen und einem zweiten Rang vor Thomas Maaßen und Sebastian Gläser durch. Die Vizeweltmeisterin nahm als Belohnung einen Wanderpokal aus den Händen von Isabelle Bucher, der sportlichen Leiterin des Rennvereins, in Empfang. Denn nach dem tollen Einstand dieses Wettbewerbs haben die Organisatoren nun die feste Absicht, die Amateur-Trophy dauerhaft im Mariendorfer Saisonablauf zu etablieren.
Die Geschichte vom Herbst-Pokal des VDT ist schnell erzählt. Denn der Sieg des 1,8-Favoriten Norbert Charisma mit seinem Trainer und Besitzer Danny den Dubbelden fiel derartig klar aus, dass zu keinem Zeitpunkt auch nur das kleinste Fünkchen Spannung entstand. Schon vor den Tribünen machte Norbert Charisma klar, dass es an ihm kein Vorbeikommen geben würde, und stürmte im Rush am Feld vorbei. Im Schlussbogen trat Danny den Dubbelden dann richtig aufs Gaspedal und sein Vierbeinerstolz verabschiedete sich in der Tagesbestzeit von 14,1/1.900m mit sechs Längen Vorsprung von den dahinter platzierten Yoko Ono Diamant (Fabienne Margies) und Pogba (Ole Krohmer). Der Herbst-Pokal war übrigens genauso mit der TippelTom-Talentförderung verknüpft wie das anschließende Rennen der Gewinnsummenklasse bis 16.000 Euro. Dort setzte sich Mario Zdziarstek mit dem familieneigenen Explosive Ris durch. Der Wallach lieferte eine beeindruckende Vorstellung ab. Obwohl er auf der ersten halben Runde gewaltig viel tun musste, um endlich die Führung zu bekommen, zog der Sechsjährige sein Pensum in 16,0/1.900m gnadenlos durch und fertigte Shotgun ES (Kalle Krohmer mit vier Längen Vorsprung ab.
Die weiteren Ergebnisse: In Vertretung des seinen wohlverdienten Urlaub genießenden Kornelius Kluth übernahm Dennis Spangenberg die Fahrt mit Foxtrott und steuerte den Jauß-Traber in 18,5/1.900m von der Spitze aus prompt zum Sieg. Im Pech war Romelo Wescco (Robbin Bot), der bei seinem Schlussangriff nicht die korrekte Gangart halten konnte und aus der Wertung genommen wurde. Weit zurück ging daher das zweite Geld an den von Manfred Zwiener pilotierten Ozo Attack. „Manne“ Zwiener war auch in der Gewinnsummenklasse bis 3.500 Euro mit seinem Schützling Jeff präsent und lange schien sogar der Sieg für den am Toto zur 48-fachen Quote krass unterschätzten Wallach möglich zu sein. Denn Jeff führte zeitweilig mit deutlichem Vorsprung. Doch dann fing Hitch Hiker den Kontrahenten im Einlauf doch noch sicher ein. Für dessen Trainer und Fahrer Victor Gentz zweifellos ein kleiner Trost – denn in seinem Stall hatte sich eine Infektion breitgemacht und Gentz musste bedauerlicherweise mehrere Pferde vom Start zurückziehen.
Gesamtumsatz: 79.206,60 Euro. Bahnumsatz: 19.207,60 Euro. Außenumsatz: 59.999,00 Euro.