Die Diamanten glänzen
Der großartige Blizzard Diamant setzt seine Triumphserie mit einem Sieg im Breeders-Crown-Hauptlauf der vierjährigen Hengste und Wallache fort. Das zweite Juwel der Besitzergemeinschaft Schwarz/Pietsch – nämlich Brownie Diamant – brilliert im Stuten-Pendant. In den Hauptläufen der Zwei- und Dreijährigen überzeugen Hot Shot S, Ruby Handsome, Halina und Arrivederci.
Zwei Kronen gingen bereits am ersten Tag des Breeders-Crown-Meetings bekanntlich an Zoom Diamant und Sahara Firebird. Am Sonntag wurden nun – sinnbildlich gesprochen – noch weitere vierbeinige Majestäten gesucht. Denn im Brennpunkt standen natürlich die sechs Hauptläufe der zwei- bis vierjährigen Pferde. Inklusive der Züchterprämie wurden in den insgesamt zehn Mariendorfer Prüfungen stolze 210.000 Euro an die Bestplatzierten verteilt und ein internationaler Spitzenfahrer – nämlich Robin Bakker – wollte sich ein besonders großes Stück vom Preisgeldkuchen abschneiden. Für den Niederländer, der nur wenige Stunden zuvor – allerdings erfolglos – mit dem Hengst Gio Cash an dem mit einer Million Euro dotierten Yonkers International Trot in New York teilgenommen hatte, verlief die Reise um die halbe Welt allerdings nicht wie geplant. Da seine US-Maschine Verspätung hatte, verpasste Bakker den Anschlussflug in Paris und traf erst mit über zweistündiger Verspätung in Berlin ein. Er musste daher seine Fahrten mit den chancenreichen Pferden Blizzard Diamant und Sir Francis sausen lassen.
Die Hauptläufe der Vierjährigen
Die Frage, wer denn dann die Leinen von Blizzard Diamant in die Hand nehmen würde, stellte sich für das Team um den Ausnahmetraber allerdings erst gar nicht. Denn mit Jim Veldman verfügt Blizzard Diamants Trainer Paul Hagoort glücklicherweise über einen weiteren ausgezeichneten Mitarbeiter. Und der junge Holländer machte mit dem Crack der Besitzergemeinschaft Schwarz/Pietsch prompt alles goldrichtig. Nachdem Veldman Blizzard Diamant von der Position eins aus ohne Hast ins Rennen gebracht und mit ihm an vierter Stelle hatte, gab er vor den Tribünen richtig Gas und sein Schützling übernahm eine Runde vor dem Ziel an Aurelio (Dion Tesselaar) vorbei die Führung. Der Rest war eine echte Machtdemonstration. Denn gegen eines der besten Pferde, die der deutsche Trabrennsport in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat, besaß Aurelio nicht den Hauch einer Chance. Sechs Längen hinter dem in 12,9/1.900m alles überragenden Blizzard Diamant stand Aurelio trotz der Niederlage dennoch klar über den weiteren Teilnehmern.
Bei den Stuten fiel die Entscheidung zwar nicht ganz so deutlich aus und erst Mitte des Einlaufs stand die Siegerin, die ebenfalls für die Farben der Familien Schwarz und Pietsch läuft, endgültig fest. Aber die von Brownie Diamant gezeigte Leistung war ebenfalls phänomenal und mit einer bärenstarken Steigerung auf 11,6/1.900m erzielte die Dunkelbraune zugleich die absolute Tagesbestzeit. Die Indigious-Tochter, die sämtliche Qualitäten besitzt, die ein herausragendes Rennpferd auszeichnen, setzte sich mit Robbin Bot von der Position fünf aus nach hartem Fight für die Führung durch. Vor den Tribünen marschierte aus hinteren Regionen Myrena (Robin Bakker) auf und diese beiden Pferde prägten das gesamte weitere Geschehen. Denn Myrena, die unmittelbar vor dem trotto.de-Bogen an Brownie Diamant vorbeigezogen war, ließ das rasante Tempo zu keinem Zeitpunkt abflauen. Im Schlussbogen schaute noch alles gut für die im Stuten-Derby völlig unter Wert geschlagene Vierjährige aus. Doch Brownie Diamant verlor in ihrem Windschatten niemals den Kontakt und zog mit anderthalb Längen Vorsprung letztendlich sogar leicht an ihrer Widersacherin vorbei. Wie sehr die Siegerin und die Zweitplatzierte die zwölf weiteren Teilnehmer beherrschten, macht der Richterspruch klar. Denn zu der mit dem dritten Geld belohnten und am Toto krass unterschätzten Leia Dream (Christoph Schwarz) klaffte eine Lücke von rund 15 Längen.
Die Hauptläufe der Dreijährigen
Was lange währt, wird endlich gut – das wird sich Robin Bakker bei seinem Sieg mit Halina im Lauf der Stuten gedacht haben, als er nach seiner halben Weltreise endlich in Berlin eingetroffen war. Und als er dann mit der Füchsin nach einem rasanten Zwischenspurt kurz vor dem trotto.de-Bogen die Führung übernommen und die Dreijährige das Rennen unter Rekordverbesserung auf 13,0/1.900m mit drei Längen Vorsprung leicht und locker nachhause gebracht hatte, erwartete ihn im Winner Circle tatsächlich ein derart großer Bahnhof, als wäre ein verlorener Sohn in die Heimat zurückgekehrt. Denn die Freude war nicht nur bei Bakker selber, sondern auch bei Halinas Trainer Thorsten Tietz und der vielköpfigen Besitzergemeinschaft von Halina riesig.
Aber auch bei dem Sieg von Arrivederci und Michael Nimczyk war der Jubel groß. Zu Recht, denn der Rappwallach ist ein wirklich vorzügliches Pferd. Im vergangenen Jahr hatte der Crack der Carpe Diem Stables einen BC-Hauptlauf im Speed gewonnen. Diesmal schlug Arrivederci voll offensiv Start-Ziel zu und sein Triumph in 13,2/1.unter Steigerung der persönlichen Bestmarke um eine halbe Sekunde war für ihn fast so etwas wie ein Spaziergang. Keine Frage: Der Sohn des Hengstes Victor Gio steht vor einer rosigen Zukunft und scheint zudem die Zuverlässigkeit in Person zu sein. Bei Michael Nimczyk war die Freude umso größer, da der zweite Rang auch noch an den Trainingsgefährten Wisconsin (Robbin Bot) ging. Der Hengst hatte unterwegs stets im Windschatten von Arrivederci gelegen.
Die Hauptläufe der Zweijährigen
Bei den Hengsten und Wallachen fiel die Entscheidung nicht auf der Rennpiste, sondern am grünen Tisch. Zunächst hatte nämlich Silver Joe (Dion Tesselaar) die Ziellinie als Sieger passiert. Doch der lange an der Innenkante festgenagelte Rappschimmel war auf der Zielgeraden dem außen daneben liegenden Sir Francis (Jaap van Rijn) in die Quere gekommen und wurde von der Rennleitung hinter den Konkurrenten zurückgesetzt. Nutznießer dieser Entscheidung war das Team von Hot Shot S, mit dem Thorsten Tietz in 16,9/1.900m bis kurz vor dem Pfosten den Ton angegeben hatte und der für seine tolle Einsatzbereitschaft somit nachträglich belohnt wurde.
Aber Dion Tesselaar wurde für das Missgeschick umgehend entschädigt. Denn der Oranje-Profi gewann mit Ruby Handsome den Hauptlauf der zweijährigen Stuten. Vor Freude darüber strahlte deren Besitzer Ferdinand Hirsch über beide Backen. Eigentlich hatte bis kurz vor der Linie alles nach einem Erfolg der 1,7-Topfavoritin Zoraya (Christoph Schwarz) ausgeschaut. Doch Ruby Handsome, die von der in Mariendorf noch bestens bekannten Intelligente abstammt, kam im Einlauf an der Innenkante immer dichter heran und erwischte ihre Gegnerin in 16,7/1.900m genau rechtzeitig. In einem absolut spannenden Finish betrug der Vorteil der Siegerin nur wenige Zentimeter.
Die Entlastungen
Für jene Vierjährigen, deren Trainer und Besitzer den Hauptläufen lieber aus dem Weg gehen wollten, fanden zwei Entlastungen statt. Bei den Hengsten und Wallachen gab es einen imponierenden Start-Ziel-Sieg des von Jeffrey Mieras vorgestellten Cavaillon. Der 15,1/1900m trabende Braune blieb somit auch bei seinem vierten Karriereauftritt ungeschlagen. Ein Riesenkompliment verdiente sich aber auch der zweitplatzierte Sullenberger (Rudolf Haller), der trotz aufwendigen Verlaufs in der Außenspur nur mit einer Länge Rückstand unterlag. Bei den Stuten schlug der für den verhinderten Roberto Vecchione in die Bresche gesprungene Mika Forss ebenfalls Start-Ziel zu. Die Lasbekerin Valencia löste die Aufgabe in überlegener Manier und gewann in 13,6/1.900m mit viereinhalb Längen Vorsprung. Auch wenn bei den Fahrten des Finnen am Wochenende nicht immer alles optimal klappte, behält er Mariendorf den eigenen Worten nach stets in bester Erinnerung. Denn auf der Derby-Bahn hatte Forss zehn Jahre zuvor Europameistertitel gewonnen.
Das Rahmenprogramm
Da sich das Breeders-Crown-Geschehen über acht Rennen erstreckte, waren lediglich zwei Prüfungen nicht mit symbolträchtigen Titeln versehen. Und zwar ein Trabreiten und ein mit der TippelTom-Talentförderung verbundener Wettkampf. Da im Monté gleich drei Pferde zu Nichtstartern deklariert wurden, war der Verlauf des Rennens überschaubar. Am Ende wurde es aber dennoch richtig spannend, denn zwischen dem führenden Neuf du Pape (Ronja Walter) und seinem Verfolger Torri mit Hannah Schmitz im Sattel entbrannte ein heißes Gefecht, das Torri in 16,0/2.000m mit den letzten Schritten zu seinen Gunsten entschied. Absolut bravourös verkaufte sich dann zwei Stunden später Pippa Lobell mit der beinahe schon todesmutigen Anna-Lisa Kunze im Sulky. Denn obwohl die Stute unterwegs gleich mehrfach von energisch auftretenden Konkurrenten attackiert wurde, gab ihre Fahrerin das Heft geradezu trotzig nicht aus der Hand. Bei dem Start-Ziel-Erfolg in 14,8/1.900m präsentierte sich Anna-Lisa Kunze also ähnlich zäh wie das ihr anvertraute Pferd.
Gesamtumsatz: 208.698,99 Euro. Bahnumsatz: 82.504,40 Euro Außenumsatz: 126.194,59 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 11. Oktober statt. Beginn ist um 12.30 Uhr. Im sportlichen Mittelpunkt stehen die Wertungsläufe zur Mariendorfer Amateur-Trophy und der Herbst-Pokal des VDT. Die Starterangabe ist am Montag, dem 5. Oktober (bis 11 Uhr). Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@rennbahn-berlin.de. Bitte vergessen Sie nicht die Angabe des Hufbeschlags!