Immer wieder Tyron Hill
Im Charlie-Mills-Memorial gelingt dem Neunjährigen mit Josef Franzl nach Kampf der 31. Karrieretreffer – Trogir, Charmy Charly As und Schampus auf den Plätzen – Das Finale der Newcomer-Serie geht an den überlegenen Rainbow Bo (Christoph Schwarz) – Dreimal Jaap van Rijn
(MF) Bei strömendem Regen wurde das diesjährige Derby-Meeting am Sonnabendvormittag mit einer PMU-Matinée eröffnet, deren Qualität und Quantität den Derby-unwürdigen Wetter-Verhältnissen aber Paroli bieten konnten. Trotz einiger Nichtstarter kamen in sieben Rennen fast 80 Pferde an den Ablauf, fünf Mal gewannen die Favoriten.
„Big Points“ gehen nach Bayern
Zwei 20.000 Euro-Rennen im Rahmen einer Vormittagsveranstaltung sieht man selbst auf der Derbybahn nicht alle Tage. Beide Prüfungen waren jeden Euro wert und wurden von bayerischen Gästen gewonnen. Im Finale zur Newcomer-Serie begeisterte zunächst Rainbow Bo, den der eigens für diese Fahrt aus dem Süden angereiste Christoph Schwarz lange im Mittelfeld verhielt, aber nach einer Runde mit dem am Toto doppeltes Geld bringenden Favoriten die Initiative ergriff und den führenden Fundador Font, der seinerseits nach halber Strecke Colombo abgelöst hatte, schon im Schlussbogen allmählich unter Kontrolle bekam. Auch die von weit hinten immer stärker werdende White Flake schnappte sich den Ex-Piloten noch, während Colombo im Einlauf geschlagen war und auch noch das Geläuf verlor.
Immer wieder Tyron Hill
Die am härtesten umkämpfte Entscheidung war die im abschließenden Charlie Mills-Memorial, wo Tyron Hill (Josef Franzl) zum wiederholten Mal seinen unbändigen Kampfgeist in die Waagschale war. Bereits die Eröffnung, in der auch Bayard gerne die Oberhand behalten wollte und es kurz tat, dann aber die Führung sofort abtrat, war nicht ohne Aufwand gewesen. Ein anschließend ruhigeres Tempo kam Tyron Hill natürlich zugute, doch als im Einlauf nicht die favorisierten Schampus und Zoom Diamant, die, gemessen an den hochgesteckten Erwartungen, überraschend blass blieben, angriffen, sondern Charity-Traber Trogir, schien es ganz eng zu werden für den Piloten. Aber Trogir wechselte die Beine, konnte nicht mehr mit letzter Konsequenz gefordert werden und musste sogar noch eine Überprüfung überstehen, bevor der Ehrenplatz hinter dem grandiosen Tyron Hill feststand. Der siegte mit „Hals“ in angesichts der Verhältnisse phänomenalen 1.13,4/1.900 m, die natürlich Tagesbestzeit bedeuteten, während auf Platz drei ein offensiv eingesetzter Charmy Charly As einen knappen Vorteil gegenüber dem vom letzten Platz noch viel Boden gutmachenden Schampus ins Ziel rettete. Die Siegquote von 9,6:1 erfreute nicht nur den Anhang von Tyron Hill, sondern war die lukrativste, zu der der Hengst seit fast zwei Jahren gestartet ist. Nach drei Erfolgen im Bayerischen Zuchtrennen von Pfarrkirchen holte er sich im Charlie Mills-Rennen den vierten 10.000 Euro-Scheck der Karriere ab und manifestierte mit dem 31. Treffer bei nur 47 Starts endgültig seinen Status als Publikumsliebling.
Dreimal Jaap van Rijn
Auch wenn es in den mit je 6.000 Euro Dotation ausgestatteten PMU-Rennen finanziell etwas ruhiger zur Sache ging, bildeten die drei Erfolge von Jaap van Rijn ein weiteres Highlight des Tages. Erster Sieger war Lincoln Renka, der im einleitenden Franzosen-Rennen nur kurz Krikri du Flot an der Spitze duldete und fortan nicht in Gefahr kam, während sein jüngster Bezwinger L’As Atout diesmal allein außen herum musste und für die besseren Gelder den geschonten Kaporal du Houssel und Lamkelze de Niel nichts entgegenzusetzen hatte. Die Wetter hatten den gegenüber dem Wolvega-Duell veränderten Rennverlauf-Braten gerochen und Lincoln Renka für 1,5:1 zum klaren Favoriten gemacht.
Jaap van Rijn war zur selben Quote auch anschließend mit Fabiofelix Font unterwegs, doch der haushohe Favorit konnte am Start mit den schnellen Beginnern, von denen sich Tampa Bay durchgesetzt hatte und bald von Njord Invicta begleitet wurde, nicht mithalten, so dass er nach halber Strecke noch fast am Ende des Zwölfer-Feldes auszumachen war. Dann gab es mit einem langgezogenen Endspurt aber kein Halten mehr, schon bei Erreichen der Zielgeraden war die Frage nach dem Sieger geklärt und am Ende trennten den Favoriten sieben Längen vom prächtig durchstehenden Njord Invicta, Pebbles Stone und Tampa Bay.
Einen fast identischen Verlauf, diesmal aber mit komplett formgemäßem Ausgang, gab es beim dritten Tagestreffer des niederländischen Goldhelms, als die lange führende Marilyn Venus in der Schlussphase weder dessen groß aufziehender Pippa Lobell (2,3:1) noch der nachsetzenden, aber ohne echte Chance bleibende Co-Favoritin Wally Gegenwehr leisten konnte.
Zwei Berliner Heimsiege
Das gegenüber den anderen Prüfungen weitaus offener wirkende Amateurfahren entpuppte sich tatsächlich so und endete mit einer nicht getroffenen Dreierwette. Lange hatte Totofavorit Jackstone geführt, der im Einlauf auf der anscheinend unter den schwierigen Bedingungen besonders leidenden Innenbahn aber schnell geschlagen war, während die schon in Karlshorst bei ähnlichen Verhältnissen überragend siegreich gewesene und diesmal sogar für 10,8:1 gehandelte Leia Dream (Anna-Lisa Kunze) sich aus dem Vordertreffen heraus erneut souverän freimachen konnte. Hinter dem noch gut ins Bild kommenden Explosiv Ris überraschte die komplett unterschätzte Nadyha meilenweit vor dem Rest und ließ die letzten Dreierwette-Hoffnungen platzen, so dass der erste Jackpot des Meetings entstand.
Rennen verloren, Rennen gewonnen
Eine der spektakulärsten Vorstellungen des Tages lieferte die im mit 14 Teilnehmern voll besetzten Handicap am Ende bei 4,1:1 sogar minimal favorisierte Klara (Andreas Gläser) ab, die nach einer Runde im Hintertreffen angesprungen und scheinbar aussichtslos geworden war, aber entschlossen nachsetzte und mit enormem Einsatz den vom Fleck weg vorn mitmischenden Lakanas sowie den gleichfalls gefällig in die Entscheidung eingreifenden Joell Dream noch hinter sich lassen konnte. Mit einem Außenseiter zwischen den beiden Favoriten zahlte der Toto lukrative 93,6:1 in der Zweier- und sogar 358,3:1 in der Dreierwette.
Gesamtumsatz: 118.559,00 Euro – Bahnumsatz: 40.314,50 Euro – Außenumsatz: 78.244,50 Euro
Unser Termin-Hinweis: Der zweite Tag des ersten Derby-Wochenendes findet keine 24 Stunde nach dem Ende der Auftaktveranstaltung am Sonntag mit Veranstaltungsbeginn um 11.30 Uhr statt. Auf der hochkarätigen Karte ragen die sieben Vorläufe zu beiden Derbys, zwei Qualifier zum Dreijährigen-Kriterium und das Finale der Silber-Serie heraus.