Zwei Siegertypen
Die Stute Sahara Firebird (Robbin Bot) und der Wallach Zoom Diamant (Jim Veldman) gewinnen die beiden Breeders-Crown-Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Traber.
Diesmal ging es Schlag auf Schlag: Nur vier Wochen nach dem Derby-Finale erfolgte auf der Mariendorfer Bahn der Auftakt des zweitägigen Breeders-Crown-Meetings. Zweifellos eine gute Entscheidung der Verantwortlichen und ganz im Sinne des Publikums. Denn bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen ließen sich die zehn Rennen am Samstag auch im Freien völlig entspannt genießen – was in den Vorjahren aufgrund der Austragung zu späterer Jahreszeit nicht immer der Fall gewesen war. Obendrein passte es gut zum Startrhythmus der Pferde und es gab ein Wiedersehen mit so manchem vierbeinigen Protagonisten des Derby-Meetings. Kein Wunder natürlich auch angesichts des ausgeschütteten Preisgeldes. In den zehn Rennen, von denen vier in die französische PMU-Liveübertragung integriert waren, wurden am Samstag inklusive der Züchterprämien rund 140.000 Euro an die Sieger und Platzierten verteilt. Der Löwenanteil – nämlich über 85.000 Euro – wurde in den beiden geschlechtergetrennten Hauptläufen der fünf- bis siebenjährigen Pferde vergeben.
Die Hauptläufe
Ladies first – das war bei den beiden Hauptereignissen die Devise. Und mit der von finnischen Traberliebhabern gezüchteten Sahara Firebird bekamen die Zuschauer prompt eine wirklich vorzügliche Stute zu sehen. Die von Robbin Bot präsentierte Fünfjährige, die auch 2025 bei der Breeders Crown aufgetrumpft hatte, wirkt körperlich wie ein Modellathlet und duldete bei ihrem mit fünf Längen Vorsprung in 13,3/1.900m erzielten Triumph nicht die geringste Opposition. Die Spitze hatte sich zunächst Olivia Greenwood gesichert. Deren Fahrer Dennis Spangenberg traf aber eine goldrichtige Entscheidung, als er Sahara Firebird Ende des ersten Bogens vorbeiließ. Olivia Greenwood profitierte als Zweitplatzierte somit von einem geschonten Verlauf. Die Dunkelbraune hatte allerdings auch nicht die geringste Chance, als Sahara Firebird die Pace im Schlussbogen auf eine Durchgangszeit von 10,5 forcierte. Rang drei ging an die erst spät gebrachte Naikey (Michael Nimczyk).
Während der Erfolg von Sahara Firebird eine glasklare Angelegenheit war, ging es im Hauptlauf der Hengste und Wallache auf den entscheidenden Metern mächtig dramatisch zu. Am Ende siegte ein Pferd, das man in Mariendorf quasi als Hausherren bezeichnen darf. Denn der diesmal von Jim Veldman pilotierte und von der Familie Schwarz gezüchtete Zoom Diamant hat auf der Derby-Bahn schon viele hochkarätige Rennen gewonnen. 2024 hätte er nach seinen Adbell- und Buddenbrock-Siegen sogar die Dreifache Krone ergattern, können, war aber im Derby-Vorlauf gesundheitlich nicht in Ordnung. Dafür schlug Zoom Diamant im selben Jahr und auch 2025 bei der Breeders Crown zu und sicherte sich nun den dritten Hauptlauf-Triumph hintereinander. Im Finish machte es der unterwegs streckenweise an der Innenkante versteckte Traber aber mächtig spannend und schlug Uccellone (Christoph Schwarz), der die Nüstern im Einlauf bereits in Front gesteckt hatte, in der Tagesbestzeit von 11,4/1.900m erst mit den letzten Schritten. Auch der mit viel Speed gebrachte Ready Hill (Robbin Bot) war als Dritter dicht dabei.
Die Entlastungen
Sie trat als Tipp des Tages an und wurde dieser Einschätzung vollauf gerecht: Für die von Robbin Bot gesteuerte Yes Please war ihr Fünf-Längen-Sieg in der Stuten-Entlastung lediglich eine Pflichtaufgabe. Die 1:1-Ultrafavoritin lag nach dem Start zunächst an zweiter Position und zog dann zügig an der Pilotin IT Security (Jochen Holzschuh) vorbei. Damit waren die Würfel bereits gefallen, denn diese Reihenfolge blieb in 13,4/1.900m bis zur Ziellinie so erhalten. Beide Pferde standen deutlich über den restlichen Teilnehmern.
Nicht ganz so überlegen, aber trotzdem sehr souverän fiel der Sieg von Michael Nimczyk und Ronja Bo in der anderen Stuten-Entlastung aus. Eine halbe Runde vor dem Ziel schien sich ein spannendes Duell zwischen der führenden Pour Moi (Kalle Krohmer) und der außen drückenden Ronja Bo anzubahnen. Doch als Pour Moi im Eifer des Gefechts ansprang, war die Angelegenheit sofort entschieden. In 14,4/1.900m Ronja Bo zog bis zum Pfosten energisch durch. Eine Länge dahinter sicherte sich die ebenfalls endkampstarke Tampa Bay (Josef Franzl) den zweiten Rang.
In der Entlastung der Hengste und Wallache gab es – zumindest aus der Sicht des wettenden Publikums – eine kleine Überraschung. Denn der von seinem Züchter, Besitzer und Trainer Erwin Bot gesteuerte Gustav Lynx zahlte am Toto die 11,8-fache Rendite aus. Erwin Bot hatte seinem Vierbeinerstolz einen idealen Rennverlauf verschafft. Denn Gustav Lynx fand rasch an die zweite Position innen und genau das war das erfolgreiche Rezept, um an dem Piloten Navajo MH (Marciano Hauber) auf der Zielgeraden in starken 12,6/1.900m mit einer halben Länge Vorsprung vorbeizuzuziehen.
Das Rahmenprogramm
Die Veranstaltung begann mit einem Start-Ziel-Sieg von Sir Theo und Jochen Holzschuh. Hugo Bökers Bold Eagle-Sohn war nach mehreren guten Leistungen für einen Erfolg regelrecht überfällig Da der Co-Favorit Fundador Font (Michael Nimczyk) nach Galoppaden ausfiel, erwies sich der stets im Windschatten folgende Johnny Handsome (Dennis Spangenberg) als gefährlichster Gegner. Der Wallach konnte den 14,1/1.900m trabenden Sieger aber trotz eines feinen Schlussspurts nicht mehr einfangen. Der Auftakt der vier mit jeweils 6.000 Euro dotierten PMU-Rennen ging an Christoph Schwarz und Foxtrot Jet. Der 1,1-Topfavorit stürmte im ersten Bogen nach vorne und siegte in 15,1/1.900m mit zweieinhalb Längen Vorsprung hochüberlegen.
Michael Nimczyk wählte mit dem frisch in den Besitz des Stalles TippelTom gewechselten Veneto ebenfalls eine sehr offensive Taktik und gewann das Rennen mit seinem vierbeinigen Partner in 15,7/1.900m mit deutlichem Vorsprung. Ein weiteres ganz starkes und zudem erst drei Jahre altes Pferd präsentierte sich in den Farben der SI-Racing Aps in direktem Anschluss. nämlich Peak of Moni. Der in Schweden gezüchtete Hengst feierte mit Dennis Spangenberg Start-Ziel unter Rekordverbesserung auf 14,1/1.900m bereits den zweiten Erfolg in seiner jungen Karriere und scheint vor einer tollen Zukunft zu stehen. Die Devise, sofort nach vorne zu fahren und keinen mehr vorbeizulassen, nahm sich auch Katharina Kramer zu Herzen und siegte mit ihrem Familienpferd Pergamon S in 15,8/1.900m in beeindruckender Manier.
Gesamtumsatz: 189.732,81 Euro. Bahnumsatz: 66.610,60 Euro Außenumsatz: 123.122,21 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet bereits am morgigen Sonntag, dem 13. September statt. Der erste Start erfolgt um 13:00 Uhr. In sechs Breeders-Crown-Hauptläufen sowie vier weiteren Rennen geht es für die Bestplatzierten dann inklusive der Züchterprämien um 210.000 Euro Preisgeld!