Rudolf Haller und Victor Gentz holen die Zehntausender
Die Spitzenprofis gewinnen mit den Hengsten Sheldrake und Spirit of di Masi beide Hauptrennen. Victor Gentz verbucht insgesamt sogar fünf Trainersiege.
Sie eroberte 2025 den Titel als Mariendorfer Traber des Jahres und gewann in dieser Saison dreimal an der Strippe. Wird die Stute Komino Blue Lagoon die Ankündigung ihres Trainers und Fahrers Andreas Gläser, ihre fantastische Entwicklung auch zukünftig nahtlos fortzusetzen, tatsächlich wahr machen? Oder wird sie zunächst einmal gestoppt werden? Das war die Frage vor dem zwar nur mit sechs Teilnehmern, aber qualitativ absolut vorzüglich besetzten fünften Lauf der Silber-Serie um 10.000 Euro Preisgeld. Die Antwort lautete: Komino Blue Lagoon wuchs einmal mehr über sich hinaus und agierte in furioser Manier. Doch sie musste sich an diesem Tag einem Konkurrenten beugen, der noch einen Tick stärker war. Nämlich dem von Rudolf Haller für die Farben von Karin Walter-Mommert trainierten und gefahrenen Sheldrake.
Der Rennverlauf ist schnell erzählt. Komino Blue Lagoon hatte sich mit ihrer ungeheuren Antrittsschnelligkeit in einer Durchgangszeit von 06,6 sofort die Führung gesichert, während Sheldrake von Rudolf Haller sehr behutsam ins Geschehen gebracht wurde und in dieser Phase des Wettkampfs noch an letzter Stelle lag. Als Andreas Gläser die Pace im weiteren Verlauf aber in den 17er Bereich drosselte, wurde es dem bayerischen Trainer zu bunt und er beorderte seinen Schützling eingangs des trotto.de-Bogens in die Angriffsspur. Ein heißes Gefecht begann. Kopf an Kopf stürmten die beiden Kontrahenten durch den Schlussbogen. Mitte der Zielgeraden fiel dann endgültig die Entscheidung zu Gunsten von Sheldrake, der eine enorme Autorität ausstrahlte. Mit einer Länge Vorsprung setzte sich der Fünfjährige in der erstklassigen Kilometerzeit von 12,6/1.900m mit einer Länge Vorsprung gegen Komino Blue Lagoon sowie die stark endenden Take Five (Marciano Hauber) und Olivia Greenwood (Dennis Spangenberg) durch.
Im Vierjährigen-Rennen ging es ebenso wie im Silber-Lauf um eine Dotation in Höhe von 10.000 Euro. Bis in die letzte Kurve hinein roch es nach einem Erfolg von Valencia (Thorsten Tietz), die sich in 08,2 energisch für die Führung durchgesetzt hatte. Doch dann wurden der Tempomacherin die Beine sichtlich müde. Ganz anders agierte der von Victor Gentz präsentierte Spirit of di Masi. Der am Toto zur 12,8-fachen Quote deutlich unterschätzte Trixton-Sohn hatte sich auf der Gegenseite immer dichter an Valencia herangearbeitet und machte beim Einbiegen auf die Zielgerade ein richtiges Fass auf. Während Valencia nur der vierte Rang blieb, ging Spirit of di Masi einfach auf und davon und siegte in 14,0/1.900m mit zwei Längen Vorsprung vor dem wie stets überaus zuverlässigen Tigerhead (Marciano Hauber) sowie Pien Starlake (Rob de Vlieger).
Zum Veranstaltungsauftakt hatte Thorsten Tietz erstmalig im Sulky der Lasbekerin Veritas Platz genommen. Nachdem die Stute sofort die Spitze ergattert hatte, sah es lange nach einem Kantersieg für sie aus. Doch aus Veritas‘ Windschatten heraus gelang Gloria AS (Victor Gentz), die alle Wettfreunde unbedingt auf ihren Merkzetteln notieren sollten, ein überaus feiner Schlussangriff. Unter Rekordverbesserung auf 14,3/1.900m geriet Veritas mit anderthalb Längen Vorsprung dennoch nicht mehr in Gefahr. Der hier unterlegene Victor Gentz hielt sich aber schon kurz darauf mit Blizzard PS schadlos. Und zwar mit derselben Taktik – also von der Spitze aus. Gegenüber seiner Hauptkonkurrentin, der am Ende zweitplatzierten 1.3-Topfavoritin Yes Please (Robbin Bot), war Bilzzard PS zwanzig Meter besser gestellt und ließ sich diesen Vorteil in 15,7/2.500m nicht nehmen.
Auch in der Gewinnsummenklasse bis 3.500 Euro mischte Victor Gentz in der Siegentscheidung mit. Im Sulky von Initial Games musste der Profi den vollen Erfolg nach Zielfotoauswertung allerdings wiederum Thorsten Tietz und dem in den Lasbeker Farben trabenden Victus überlassen. Der in seinem Umfeld hoch eingeschätzte Hengst blieb somit auch beim zweiten Auftritt seiner jungen Karriere ungeschlagen. Nachdem er auf der Anfangshalben allerdings eine ganze Menge tun musste, um schließlich vor den Tribünen die Führung zu erlangen, schien Victus seinen hartnäckigen Konkurrenten zu Beginn der Zielgeraden für einen Moment nicht mehr halten zu können. Doch mit tollem Kampfgeist bog der Vierjährige den Spieß gegenüber Initial Games, der ebenfalls vor einer goldenen Zukunft steht, in 14,2/1.900m wieder um und eroberte sich einen Zentimetervorteil..
Für das Gestüt Lasbek ging die Erfolgssträhne nur wenige Minuten später nahtlos weiter. Und zwar mit der auf dem Kaiserhof von Wolfgang Nimczyk trainierten und von Robbin Bot gesteuerten Wally. In einem weit auseinandergezogenen Feld war die auf der Schlusshalben bärenstarke Debütantin in 15,6/1.900m mit sechs Längen Vorsprung das völlig überlegene Pferd. Auch Kaporal du Houssel, der sich sogar einen schwachen Start leisten konnte, gewann mit Victor Gentz in ähnlich souveräner Manier eine Bänderstartprüfung gegen nur drei Gegner in 16,8/2.000m mit dreieinhalb Längen Vorteil. Das Festival des Gentz-Quartiers setzte sich wenig später durch einen Glanzauftritt von Shotgun ES mit Ole Krohmer fort. Der Wallach triumphierte von der Spitze aus in einem mit der TippelTom-Talentförderung verknüpften Rennen in 16,8/2.000m und bescherte Victor Gentz den fünften Trainerpunkt an diesem Tag. Die drei Fahrersiege von Gentz egalisierte Thorsten Tietz jm weiteren Verlauf durch einen Treffer mit Jingoborah, der vor den Tribünen das Kommando übernahm und in 16,0/1.900m mit drei Längen Vorteil gewann.
Zwei Amateurfahren rundeten den Nachmittag auf der Derby-Bahn gelungen ab. Zunächst setzte sich Mirabel mit André Pögel im Sulky Start-Ziel durch. Die Stute explodierte regelrecht vor Leistungsbereitschaft und trumpfte in überlegener Manier in 15,1/1.900m mit vier Längen Vorsprung vor Narthex Boko (Tom Karten) auf. Was einmal so gut gelingt, klappt auch ein zweites Mal – das muss sich André Pögel wohl nach diesem feinen Erfolg gedacht haben. Denn nur kurze Zeit später wendete er mit Pour Moi genau dieselbe offensive Taktik an. Die Stute setzte sich in 15,8/1.900m mit einer Länge Vorsprung gegen den ebenfalls überzeugenden und fein finishenden Sabasamba (Thomas Maaßen) durch, Wer weiß – vielleicht wird André Pögel, der mit aktuell acht Volltreffern seine Vorjahresbilanz bereits jetzt egalisiert hat und 2019 bundesdeutscher Champion war, nun Ambitionen entwickeln, in der Top Ten der Amateure an vorderster Stelle mitzumischen.
Gesamtumsatz: 108.853 Euro.